„Es ist mir eine Freude, Sie zu treffen…”

Als Foto­graf gibt es vie­le Bege­ben­hei­ten, bei denen man Men­schen trifft, die einem nach­hal­tig in Erin­ne­rung blei­ben. Dies gilt um so mehr, wenn es sich dabei um Men­schen han­delt, mit denen man als „Nor­mal­sterb­li­cher” eigent­lich nicht in Kon­takt, geschwei­ge denn ins Gespräch kom­men würde.

Als poli­tisch inter­es­sier­ten Men­schen hat mich schon immer der Blick hin­ter die Kulis­sen der Macht inter­es­siert. Ich woll­te wis­sen, wie die­se Repu­blik funk­tio­niert, nach wel­chen Spiel­re­geln dort gespielt wird. Ers­te Ein­bli­cke bekam ich – auf Ein­la­dung eines Hil­des­hei­mer Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten – bei einem Besuch des Bun­des­ta­ges noch zu Zei­ten der Bon­ner Repu­blik Ende der 70er Jah­re. Als Erin­ne­rung von damals ist mir „Kürsch­ners Volks­hand­buch Deut­scher Bun­des­tag” für die ach­te Wahl­pe­ri­ode (1976 – 1980) mit den Unter­schrif­ten eini­ger der dama­li­gen Abge­ord­ne­ten geblieben.

Wie wich­tig poli­ti­sches Enga­ge­ment ist, wur­de mir wäh­rend mei­nes Stu­di­ums in der Zeit von 1985 bis 1990, aber auch spä­ter im Berufs­le­ben bewusst. Ich kan­di­dier­te für stu­den­ti­sche Gre­mi­en, spä­ter für Per­so­nal­rats- und Betriebs­rats­gre­mi­en und wur­de tat­säch­lich auch gewählt. Die Erfah­run­gen aus die­ser Zeit wir­ken bis heu­te nach: Obwohl mir nach­ge­sagt wird, dass ich eine erfolg­rei­che Arbeit geleis­tet hät­te, habe ich für mich nach eini­ger Zeit beschlos­sen, eher im Hin­ter­grund und unter­stüt­zend zu agie­ren. Dabei ist es bis heu­te geblie­ben – ohne dass sich mein poli­ti­sches Enga­ge­ment dadurch ver­min­dert hat.

Einen ver­stärk­ten Zugang zu füh­ren­den Köp­fen des gesell­schaft­li­chen Lebens in Euro­pa habe ich durch mei­ne Mit­glied­schaft zum „Poli­ti­schen Club” der Evan­ge­li­schen Aka­de­mie Tutz­ing erhal­ten. Durch die am 15. Juli 1963 von Egon Bahr zum zehn­jäh­ri­gen Bestehen des Poli­ti­schen Clubs gehal­te­ne Tutz­in­ger Rede und die damit ver­bun­de­ne öffent­li­chen Ankün­di­gun­gen für einen Stra­te­gie­wech­sel in der west­deut­schen Poli­tik im Kal­ten Krieg, in der Egon Bahr auf eine akti­ve Ver­stän­di­gung mit der DDR setzt, war der „Poli­ti­sche Club” für mich seit je her ein Forum für Vor­den­ker, in dem Poli­ti­ker der ers­ten Rei­he, aber auch vie­le jun­ge poli­ti­sche Talen­te die Stun­den eines Tagungs­wo­chen­en­des mit­ein­an­der ver­brin­gen, sich vor einem kri­ti­schen Publi­kum bewäh­ren müs­sen, aber auch im ent­spann­ten Ambi­en­te der Evan­ge­li­schen Aka­de­mie am Starn­ber­ger See bei Spa­zier­gän­gen, Boots­fahr­ten und Kamin-Gesprä­chen Gele­gen­heit haben, mit­ein­an­der ins Unrei­ne zu reden. Vor allem vie­le der Kamin-Gesprä­che haben blei­ben­de, nach­hal­ti­ge Erin­ne­run­gen hin­ter­las­sen. Um so mehr freut es mich, dass ich einen Zugang zu die­sem Kreis gefun­den habe.

Und so ganz neben­bei ent­stan­den unzäh­li­ge Por­traits von Poli­ti­kern und ande­ren Per­sön­lich­kei­ten in den unter­schied­lichs­ten Situa­tio­nen bei die­sen Tagun­gen: im Vor­trag, in der Dis­kus­si­on, im Inter­view mit der Pres­se. Bedingt durch die Tat­sa­che, dass aktu­ell auf Grund der Coro­na-Pan­de­mie im Jahr 2020 alle drei Tagun­gen des „Poli­ti­schen Clubs” ent­we­der abge­sagt oder vir­tu­ell durch­ge­führt wer­den muss­ten, habe ich mich ent­schlos­sen, eine Aus­wahl aus die­sen Por­traits auf mei­nem Insta­gram-Account zu zeigen.

Was mir aus die­sen Begeg­nun­gen in Erin­ne­rung geblie­ben ist? Es waren stets inten­si­ve Begeg­nun­gen, die oft in sehr offe­nen und per­sön­li­chen Gesprä­chen in den Salons der Evan­ge­li­schen Aka­de­mie am Kamin fort­ge­setzt wer­den konn­ten. Getra­gen von Hoch­ach­tung und gegen­sei­ti­gem Respekt, waren es immer Gesprä­che auf Augen­hö­he, bei denen sich die Gesprächs­part­ner red­lich bemüh­ten, ihr Han­deln und ihre Ent­schei­dungs­grün­de dafür nach­voll­zieh­bar dar­zu­le­gen. Und manch ein Kon­takt setz­te sich auch über die jewei­li­ge Tagung hin­aus fort.


Viel­leicht habt Ihr ja Lust, mir von Euren Begeg­nun­gen mit inter­es­san­ten Men­schen zu berich­ten? Ich freue mich auf Eure Bei­trä­ge in den Kommentaren …

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