Ein kleiner Blick zurück… (Teil 2)

Wie mein Ein­stieg in die digi­ta­le Foto­gra­fie ver­lief, habe ich in mei­nem letz­ten Blog­bei­trag „Ein klei­ner Blick zurück…” beschrie­ben. Nach mehr als zwan­zig Jah­ren in der ana­lo­gen Foto­gra­fie, zuletzt mit einer Spie­gel­re­flex­ka­me­ra, wag­te ich 1998 ers­te zag­haf­te Schrit­te in Rich­tung digi­ta­ler Foto­gra­fie mit einer digi­ta­len Video­ka­me­ra, 2003 folg­te dann mei­ne ers­te „ech­te” digi­ta­le Spie­gel­re­flex­ka­me­ra. Mit dem Schritt in die Pro­fi-Liga kam 2012 dann auch mei­ne ers­te „pro­fes­sio­nel­le” DSLR. 

Was die­se bei­den digi­ta­len Spie­gel­re­flex­ka­me­ras gemein­sam hat­ten und haben, war das Sen­sor-For­mat APS‑C. Die­ser Sen­sor ist von der Flä­che um den Fak­tor 1.6x klei­ner als die Flä­che eines Nega­tiv­bil­des. Für das mit die­sen Kame­ras auf­ge­nom­me­ne Foto ist die Sen­sor­grö­ße uner­heb­lich. Nach­tei­lig wird sie erst, wenn es um das Auf­nah­me­ver­hal­ten der Kame­ra in schlech­ten Licht­ver­hält­nis­sen geht. Weil bei einer Kame­ra mit einem Voll­for­mat-Sen­sor, der die Grö­ße eines Nega­tiv­bil­des hat, die ein­zel­nen Pixel grö­ßer sein kön­nen, lie­fern sie in der Regel eine bes­se­re Bild­qua­li­tät bei hohen ISO-Emp­find­lich­kei­ten als Kame­ras mit klei­ne­ren Sen­sor­grö­ßen. Dies liegt dar­an, dass ein grö­ße­rer Pixel einen höhe­ren Anteil des Lichts im Ver­gleich zu uner­wünsch­tem Rau­schen erfasst, was zu einem sau­be­re­ren Bild führt.

Nach etwas mehr als drei Jah­ren mit mei­ner EOS 7D war die­se in der foto­gra­fi­schen Arbeit aus­ge­reizt. Vor allem der Bereich der „LowLight”-Fotografie, der mich fas­zi­nier­te und inter­es­sier­te, war mit die­ser Kame­ra nur mit gro­ßem Auf­wand mög­lich, der in kei­nem Ver­hält­nis mehr zum Ergeb­nis ste­hen würde.

Der entscheidende Schritt zum Vollformat

Nach über zwölf Jah­ren mit digi­ta­len Spie­gel­re­flex­ka­me­ras und APS-C-Sen­so­ren muss­te also eine Kame­ra mit Voll­for­mat-Sen­sor her. Doch wel­che Kame­ra kau­fen? Canons aktu­el­le Voll­for­mat-Kame­ra EOS 5D Mark III war bereits seit drei­ein­halb Jah­ren auf dem Markt, ein Nach­fol­ge­mo­dell war – auf­grund des bis­he­ri­gen Wech­sel­in­ter­valls von vier Jah­ren – in nicht all­zu lan­ger Zeit zu erwar­ten. Ein Wech­sel zu einem ande­ren Kame­ra­her­stel­ler kam für mich nicht in Fra­ge, dafür hat­te ich bereits zu viel in hoch­wer­ti­ge Objek­ti­ve und ent­spre­chen­des Zube­hör wie Sys­tem­blit­ze inves­tiert. Und ein Kame­ra­mo­dell kau­fen, um kur­ze Zeit spä­ter wie­der mit einem „alten” Kame­ra­mo­dell dazu­ste­hen, woll­te ich auch nicht.

Je mehr ich hin- und her­über­leg­te, um so mehr schau­te ich mich auch im Gebraucht­markt nach ent­spre­chen­den Kame­ra­mo­del­len um. Und tat­säch­lich kam mir ein Zufall zur Hil­fe. Ein Foto­gra­fen­kol­le­ge, der sein Geschäft auf­gab, bot sei­ne Kame­ra­aus­rüs­tung zum Ver­kauf an. Da er eben­falls mit Canon foto­gra­fiert hat­te, waren auch ent­spre­chen­de Voll­for­mat-Model­le dar­un­ter. Sei­ne letz­te Kame­ra, eine EOS 5D Mark III woll­te er behal­ten, aber eine EOS 5D Mark II mit Bat­te­rie­griff wäre zu haben. 

Canon EOS 5D Mark II mit Bat­te­rie­griff BG-E6

Beim Ver­gleich der Model­le stell­te ich fest, dass es zwi­schen EOS 5D Mark II und EOS 5D Mark III nur mar­gi­na­le Unter­schie­de gab: 21,1 Mega­pi­xel zu 22,3 Mega­pi­xel waren nun wirk­lich nicht die Welt. Gra­vie­ren­der waren die Unter­schie­de beim Auto­fo­cus. Hier stan­den 9 Auto­fo­kus-Mess­fel­der + 6 Hilfs-Mess­fel­der und eine Belich­tungs­kor­rek­tur von +/- 3 Licht­wer­ten bei der EOS 5D Mark II 61 Mess­fel­dern und einer Belich­tungs­kor­rek­tur von +/- 5 Licht­wer­ten der EOS 5D Mark III gegen­über. Doch mit die­sen Ein­schrän­kun­gen konn­te ich leben – und so kauf­te ich mir am Tag vor Hei­lig Abend 2015 eine gebrauch­te EOS 5D Mark II.

Über die Weih­nachts­ta­ge hat­te ich nun genug Zeit, mich mit der „neu­en” Kame­ra ver­traut zu machen. Zum Glück konn­te ich alle wich­ti­gen Objek­ti­ve wei­ter­ver­wen­den und brauch­te nicht in neue Objek­ti­ve inves­tie­ren, da ich bis­her dar­auf geach­tet hat­te, dass – bis auf die Kit-Objek­ti­ve – alle mei­ne Objek­ti­ve Voll­for­mat taug­lich waren. Bevor­zugt nach Ein­bruch der Dun­kel­heit konn­te man mich damals beim Foto­gra­fie­ren antref­fen. Vor allem das Bokeh, das ich jetzt errei­chen konn­te, fas­zi­nier­te. Logi­sche Anschaf­fung war daher eine Fest­brenn­wei­te mit 100mm, f/2.8 und Makro­funk­tio­na­li­tät, zunächst vor allem für die Por­trait­fo­to­gra­fie – die Vor­zü­ge der Makro­fo­to­gra­fie soll­te ich erst spä­ter entdecken. 

Über das Jahr 2016 ver­dich­te­ten sich die Anzei­chen, dass eine neue DSLR mit Voll­for­mat-Sen­sor unmit­tel­bar vor ihrer Prä­sen­ta­ti­on stand. Ers­te Spe­zi­fi­ka­tio­nen wur­den gele­akt: 28 Mega­pi­xel-Sen­sor, ISO-Bereich von ISO 100 bis ISO 51.200, erwei­ter­bar auf ISO 204.800, 4K Video, Touch­screen, WLAN, GPS und eini­ge mehr soll­ten das neue Flagg­schiff aus­zeich­nen. Im August 2016 erfolg­te dann schließ­lich die offi­zi­el­le Vor­stel­lung durch Canon.

Die Daten, die Canon bei der Vor­stel­lung der EOS 5D Mark IV bekannt gab, waren durch die Bank beein­dru­ckend: 30,4‑Megapixel-CMOS-Vollformat-Sensor mit einer Auf­lö­sung von 6.720 Pixel × 4.480 Pixel und einem gewal­ti­gen Dyna­mik­um­fang mit ver­bes­ser­ten Algo­rith­men zur Rau­sch­re­du­zie­rung, ein ISO-Bereich der von ISO 100 bis ISO 32.000 brauch­ba­re Ergeb­nis­se lie­fert und bis ISO 102.400 erwei­ter­bar ist, 61 Auto­fo­kus-Mess­fel­der und eine Belich­tungs­kor­rek­tur von +/- 5 Licht­wer­ten, dazu 4K Video, WLAN, GPS, und nicht zuletzt ein neu­es RAW-For­mat, Dual Pixel RAW, das in der Nach­be­ar­bei­tung am Com­pu­ter die Mög­lich­keit bie­tet, Schär­fe­kor­rek­tu­ren vor­zu­neh­men oder den Schär­fe­punkt zu ver­la­gern. Ab Mit­te Sep­tem­ber 2016 soll­te die­se Kame­ra im Han­del lie­fer­bar sein.

Canon EOS 5D Mark IV mit Bat­te­rie­griff BG-E20

Die­se Kame­ra woll­te und muss­te ich haben: Und zu mei­nem Glück konn­te ich mich bereits Ende Sep­tem­ber 2016 glück­lich schät­zen, die­se Kame­ra mit Bat­te­rie­griff in mei­nen Hän­den zu hal­ten. Schon nach den ers­ten Auf­nah­men konn­te ich bestä­ti­gen, dass Canon mit sei­ner Ankün­di­gung den Mund kei­nes­wegs zu voll genom­men hat­te. Und die­ser Ein­druck soll­te sich auch in der Fol­ge­zeit immer wie­der bestä­ti­gen. Um die Leis­tungs­fä­hig­keit der Kame­ra bis in das letz­te Quent­chen Qua­li­tät aus­zu­rei­zen, erwei­ter­te ich mein Objek­tiv­ka­bi­nett um die licht­star­ken Fest­brenn­wei­ten 50mm f/1.2, 85mm f/1.2 und 35mm f/1.4. Vor allem das 35mm f/1.4 soll­te in der Fol­ge­zeit mein bis­he­ri­ges Stan­dard­ob­jek­tiv ablö­sen und mei­ne Arbeits­wei­se – vor allem in der Repor­ta­ge­fo­to­gra­fie – prägen.

Mit die­ser Kame­ra ent­stan­den die Auf­nah­men für die Kalen­der, mit denen ich die Pro­the­sen­ver­sor­gung der Kra­kower Stu­den­tin Klau­dia unter­stütz­te, dazu unzäh­li­ge Fotos für Repor­ta­gen und Bericht­erstat­tun­gen. Auf mei­nen vie­len Rei­sen durch Schle­si­en war mir die Kame­ra ein treu­er und zuver­läs­si­ger Beglei­ter. Sie ermög­lich­te mir, in Archi­ven Doku­men­te pro­blem­los abzu­fo­to­gra­fie­ren, unauf­fäl­lig Street­fo­to­gra­fie zu betrei­ben. Und sie ermög­lich­te es mir, einen Groß­teil der Füll­sze­nen für den preis­ge­krön­ten Film „Hei­mat in der Frem­de” zu filmen.

Beson­ders in Erin­ne­rung wer­den mir wahr­schein­lich die Repor­ta­ge über den Start der Behin­der­ten­sport­le­rin Sig­run Pas­selat über 5 Kilo­me­ter beim Wup­per­ta­ler Schwe­be­bahn­lauf 2019 und die ers­ten Auf­nah­men zu mei­ner Inter­view- und Por­trait-Serie „Sim­ply me!” im August und Sep­tem­ber 2019 blei­ben. Auf meh­re­ren Hoch­zei­ten war mir die Kame­ra ein treu­er und zuver­läs­si­ger Begleiter.

Doch wie so oft ist auch in der Foto­gra­fie das Bes­se­re der Feind alles Guten. Natür­lich bleibt die (Weiter-)Entwicklung nicht aus, und auch Canon ver­bes­ser­te sei­ne Kame­ras. Die Erwei­te­rung um Canon Log (CLog) in den Video-Ein­stel­lun­gen brach­te vor allem für die Video­nach­be­ar­bei­tung im Zusam­men­spiel mit ande­ren Video­quel­len Erleich­te­run­gen. Was aber blieb, war die Tat­sa­che, dass im Ver­gleich zu den spie­gel­lo­sen Kame­ras (DSLM) die digi­ta­len Spie­gel­re­flex­ka­me­ras immer ein gewis­ses Gewicht hatten. 

Nach­dem Canon immer mehr Foto­gra­fen an die spie­gel­lo­se Kon­kur­renz ver­lor, war abzu­se­hen, dass auch Canon in die­sem Seg­ment irgend­wann eine Kame­ra anbie­ten muss. Bereits im Okto­ber 2018 stell­te Canon mit der EOS R eine ers­te spie­gel­lo­se Kame­ra vor, die weit­ge­hend auf der EOS 5D Mark IV basier­te, mich aber nicht über­zeu­gen konn­te. Trotz­dem wür­den die spie­gel­lo­sen Kame­ras wohl die Zukunft sein.

Doch wie ent­schei­den? Den Kame­ra­her­stel­ler wech­seln? Was wür­det Ihr tun? 

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